Science out of the Box by IACULIS…

Überraschendes, Unterhaltsames, Ungewöhnliches aus Medizin und Naturwissenschaft.

Mit Science out of the Box möchten wir Sie anregen, kurz inne zu halten und in die Faszination der Wissenschaft einzutauchen. Der Fokus liegt bei Science out of the Box nicht auf einzelnen Krankheiten oder Medikamenten, sondern auf überraschenden Innovationen, ungewöhnlichen Erkenntnissen und unterhaltsamen Fragestellungen aus der Forschung. Zudem wird auch die Wissenschaftsszene Schweiz mit ihren vielfältigen Forschungsgebieten immer wieder ein Thema sein.

Wir wünschen Ihnen gute Unterhaltung!

Ihr IACULIS Team

Abnehmen trotz Weihnachtsbraten

Abnehmen trotz Weihnachtsbraten

Abnehmen trotz Weihnachtsbraten

Zur Weihnachtszeit wird gern geschlemmt und ehe man sich versieht, sind nach den Festtagen ein paar Kilos mehr auf der Waage. In der Winter Weight Watch Study wurden 10 einfache Tipps identifiziert, um dem entgegenzuwirken und über die Feiertage sogar ein bisschen abzunehmen.

Jedes Jahr nehmen die Menschen im Durchschnitt 0.4 bis zu 1kg an Gewicht zu. Was sich zunächst nach nicht sehr viel anhört, kann sich nach 10 Jahren schon auf einige Kilos belaufen. Dabei ist die Gewichtszunahme jedoch nicht gleichmässig über das Jahr verteilt, sondern konzentriert sich auf bestimmte Zeiträume, wie beispielsweise Weihnachten. Typischerweise geniessen die Menschen dann einen entspannteren Lebensstil und während vieler geselliger Treffen mit Familie und Freunden ist die Gefahr besonders gross, übermässige Mengen an Essen zu sich zu nehmen. Über die Feiertage ist eine beträchtliche Vielfalt an Lebensmitteln verfügbar, es wird regelmässig Alkohol getrunken und die Portionen fallen zumeist etwas grösser aus. Am Weihnachtstag allein werden teilweise bis zu 6000 Kalorien verzehrt, was dem Dreifachen der empfohlenen Tagesdosis entspricht.

10 Tipps zur Gewichtskontrolle über Weihnachten

Doch wie kann man einer Gewichtszunahme während der Festtage entgegenwirken? Dafür wurde im Rahmen der Winter Weight Watch Study die Wirksamkeit einer kurzen Verhaltensintervention getestet. Die Intervention bestand dabei aus drei verschiedenen Komponenten. Zunächst wurden die 136 Studienteilnehmer in der Interventionsgruppe aufgefordert, ihr Gewicht mindestens zweimal pro Woche, besser noch täglich, zu messen und schriftlich festzuhalten. Zudem erhielten sie Informationen darüber, wie viel Sport notwendig ist, um die Kalorien bestimmter Weihnachtsessen und -getränke wieder zu verbrennen. So erfordert beispielsweise ein dickes Stück gebratener Truthahn 16 Minuten zügiges Gehen. Zuletzt gab es noch die folgenden 10 Tipps zur Gewichtskontrolle:

1. Essen Sie möglichst immer zur selben Zeit!

2. Essen Sie möglichst fettarm!

3. Gehen Sie jeden Tag 10'000 Schritte!

4. Wenn überhaupt, essen Sie gesunde Snacks!

5. Überprüfen Sie den Zucker- und Fettgehalt Ihrer Lebensmittel!

6. Essen Sie eher kleine Portionen!

7. Stehen Sie einmal pro Stunde für 10 Minuten auf!

8. Trinken Sie bevorzugt Wasser oder zuckerfreie Getränke!

9. Essen Sie langsam und bewusst!

10. Essen Sie jeden Tag 5 Portionen Obst und Gemüse!

In der Vergleichsgruppe erhielten 136 Studienteilnehmer eine kurze Informationsbroschüre über eine gesunde Lebensweise, die auch allgemeine Gesundheitsinformationen enthielt. Dabei waren jedoch keine Ernährungsempfehlungen enthalten.

Leichte Gewichtsabnahme durch kurze Verhaltensintervention

Um den Effekt der Intervention festzustellen, wurde das Ausgangsgewicht aller Teilnehmer im November und Dezember, sowie das Gewicht nach den Weihnachtstagen im Januar und Februar bestimmt. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Studienteilnehmer in der Interventionsgruppe im Mittel 0.13kg (95% CI −0.4 bis 0.15) abnahmen. Im Gegensatz dazu war in der Vergleichsgruppe eine Gewichtszunahme von durchschnittlich 0.37kg (95% CI 0.12 bis 0.62) zu verzeichnen. Die angepasste mittlere Gewichtsdifferenz (Interventions- versus Vergleichsarm) betrug -0.49kg (95% CI, -0.85 bis -0.13, p=0.008). Obwohl der Unterschied zwischen beiden Gruppen relativ gering ist, zeigt die Studie doch, dass tatsächlich mit relativ einfachen Mitteln eine Gewichtszunahme über Weihnachten verhindert werden kann.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen frohe Weihnachten und einen guten Start ins Jahr 2019!

Original-Publikation: Effectiveness of a brief behavioural intervention to prevent weight gain over the Christmas holiday period: randomised controlled trial Mason F, Farley A, Pallan M, Sitch A, Easter C, Daley AJ BMJ. 2018 Dec 10;363:k4867 PubMed: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30530821

Achterbahn-Fahren als Therapie bei Nierensteinen

Achterbahn-Fahren als Therapie bei Nierensteinen

Achterbahn-Fahren als Therapie bei Nierensteinen

Der diesjährige IG Nobel Preis von Improbable Research wurde für die 2016 publizierte Studie zum Einfluss von Achterbahn fahren auf die spontane Passage von Nierensteinen an Marc Mitchell und David Wartinger verliehen. Die IG Nobel Preise wurden am 13. September 2018 zum 28. Mal in zehn Kategorien vergeben und zeichnen Forschungsergebnisse und Errungenschaften aus, die uns zuerst schmunzeln lassen und dann zum Nachdenken anregen.

Nachdem ein Patient berichtete, dass er jeweils kurz nach der Fahrt mit dem «Big Thunder Mountain Railroad Roller Coaster» im Walt Disney World, Orlando, Florida, USA drei Mal einen Nierenstein auf natürlichem Weg ausscheiden konnte, entschieden sich Marc Mitchell und David Wartinger, das Phänomen genauer zu untersuchen. Dazu wurde ein transparentes Silikon-Modell der Niere, das anhand der CT-Urographie des Patienten erstellt wurde, mit drei Nierensteinen unterschiedlicher Grösse und Urin befüllt. Das Modell-System wurde in einem gepolsterten Rucksack für insgesamt 20 Fahrten in die Achterbahn geschnallt.

Position in der Achterbahn ist entscheidend

Das Nierenstein-Modell wurde während 8 Fahrten in den vorderen Reihen (Reihe 1-7) und während 12 Fahrten in den hinteren Reihen (Reihen 13-15) der Achterbahn positioniert. Unabhängig von der Grösse der Nierensteine und deren Ausgangsposition im Modell wurde in den vorderen Reihen die spontane Passage von 16.67% der Nierensteine (4 von 24 Steinen) beobachtet. In den hinteren Reihen war diese Rate mit 63.89% (23 von 36 Steinen) deutlich höher. Der mit 4.5 mm3 kleinste Nierenstein wurde nach Fahrten in den hinteren Sitzreihen sogar zu 100% ausgeschieden, wenn der Stein zu Beginn ein einem oberen oder mittleren Nierenkelch positioniert war.

Achterbahn-Fahren als Therapie

Die Autoren geben zu bedenken, dass die Studie nur mit der Achterbahn «Big Thunder Mountain Railroad Roller Coaster» im Walt Disney World, Orlando, Florida, USA durchgeführt wurde. Dennoch gehen sie davon aus, dass die spontane Passage von Nierensteinen auch durch Fahrten auf anderen Achterbahnen begünstigt werden könnte. Bei der „Achterbahn-Therapie“ müssen jedoch vor der Fahrt die Lokalisation und Grösse der Steine und der allgemeine Gesundheitsstatus des Patienten berücksichtigt werden. Bei kleineren Nierensteinen besteht gemäss den Studienergebnissen eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine spontane Ausscheidung im Zusammenhang mit einer Achterbahn-Fahrt. Die Autoren empfehlen jedoch, dass Patienten auch nach erfolgreicher Anwendung weiterhin regelmässige Fahrten unternehmen, um die Ausscheidung von mikroskopischen und sehr kleinen Nierensteinen zu begünstigen bevor erneut Symptome auftreten. Grosse Nierensteine mit einem Durchmesser von mehr als 6 mm werden hingegen nur selten spontan ausgeschieden, wie die klinische Praxis zeigt. Weil sie aber zu Obstruktionen und Nierenkoliken führen können, sollten Patienten mit grossen Nierensteinen auf Achterbahn-Fahrten oder vergleichbare Aktivitäten verzichten.

Im Rahmen einer kurzen Präsentation einige Tage nach der Preisverleihung hielt David Wartinger fest, dass er nach inzwischen 360 «Stein-Fahrten» mit dem Nierenstein-Modell nie mehr Achterbahn fahren wolle.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Vergnügen bei der nächsten Achterbahn-Fahrt, sei sie aus medizinischen Gründen oder einfach zum Spass!

Original-Publikation: Validation of a Functional Pyelocalyceal RenalModel for the Evaluation of Renal Calculi Passage While Riding a Roller Coaster

Marc A. Mitchell & David D. Wartinger

The Journal oft he American Osteopathic Association 2016; 116(10)

PubMed: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27669068

Improbable Research IG Nobel Prize

Gewinner 2018: https://www.improbable.com/ig/winners/#ig2018

Kurzvorträge der Preisträger: The Ig Informal Lectures https://www.improbable.com/ig/2018/#informallectures

Gleich und gleich gesellt sich gern….

Gleich und gleich gesellt sich gern….

Gleich und gleich gesellt sich gern….

Wie wählen wir unsere Freunde? Entgegen dem Sprichwort «Gegensätze ziehen sich an» gehen wir Freundschaften bevorzugt mit Menschen aus einer ähnlichen Altersgruppe, des gleichen Geschlechts und aus demselben Kulturkreis ein.

Soziale Homophilie = Tendenz zur Ähnlichkeit, Ähnlichkeitsattraktion innerhalb von Freundschafts-Netzwerken. Soziale Homophilie wird in verschiedenen Settings inkl. sozialen Netzwerken beobachtet.

Die sogenannte soziale Homophilie ist eine der ältesten Regulatoren von zwischenmenschlichen Beziehungen. So zeigen beispielsweise die Angehörigen einer kleinen Gruppe von Jägern und Sammlern in Tansania bezüglich Alter, Gewicht, Körperfett-Anteil, Händedruck-Stärke und Formen der Zusammenarbeit erstaunliche Ähnlichkeiten. Heterophile Tendenzen, das heisst intensive soziale Kontakte zwischen ungleichen Personen, sind in solchen Gruppen deutlich seltener. Am häufigsten wird soziale Heterophilie im Berufsleben beobachtet, wenn Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten oder zur Lösung einer spezifischen Aufgabe zusammenkommen. Diese Beziehungen sind meist von kurzer Dauer und werden nach dem Erreichen des gemeinsamen Zieles nicht weitergeführt.

Soziale Homophilie ist im Gehirn sichtbar
Bisher wurde soziale Homophilie meist anhand von physischen und demographischen Eigenschaften, wie beispielsweise Alter, Geschlecht, soziale Klasse, etc. erforscht. Nun hat ein Team der University of California, Los Angeles, USA untersucht, ob sich die soziale Homophilie auch in den neuronalen Netzwerken des Gehirns widerspiegelt. Dazu wurde zuerst das soziale Netzwerk einer Studenten-Kohorte durch einen Fragebogen erfasst und analysiert. Mittels funktionaler Magnetresonanztomographie (fMRI) wurde danach die neuronale Aktivität in 80 Hirnregionen beim Betrachten einer vorgegebenen Video-Sequenz analysiert. Dadurch konnte gezeigt werden, dass gute Freunde ein vergleichbares neuronales Ansprechen aufweisen und die Unterschiede der neuronalen Aktivitäts-Muster zunehmen, je weiter zwei Personen innerhalb des sozialen Netzwerkes voneinander entfernt sind. Ähnliche neuronale Aktivitäten wurden bei Personen mit einer starken sozialen Bindung insbesondere in Hirnregionen beobachtet, welche Motivation, Lernen, affektive Verarbeitung, Gedächtnis und Aufmerksamkeit steuern und Vorgänge wie das Einschätzen der psychischen Verfassung des Gegenübers, die Prozessierung von Sprache und das inhaltliche Verständnis erzählter Geschichten beeinflussen.

Vorhersage des «Freundschafts-Status» anhand der neuronalen Aktivität
Um die Erkenntnisse zu überprüfen, entwickelten die Forscher anhand der gesammelten fMRI-Daten prädiktive Modelle, um den «Freundschafts-Status» von zwei Personen anhand der neuronalen Aktivität vorherzusagen. Dadurch konnten sie die Nähe bzw. Distanz von zwei Personen innerhalb des sozialen Netzwerkes durch Vergleichen des neuronalen Aktivitätsmusters in insgesamt 41.25% der Fälle korrekt einschätzen. Eine Frage bleibt in der Studie jedoch unbeantwortet: Werden Menschen als Freunde gewählt, weil sie gleich auf die Umgebung reagieren oder findet eine Anpassung an die Freunde statt? Die Resultate lassen keine Antwort auf diese Frage zu. Die Autoren gehen jedoch davon aus, dass die ähnlichen neuronalen Aktivitäten bei Freunden neben der Homophilie auch durch soziale Einflüsse zustande kommen.

Original-Publikation: Similar neural responses predict friendship Carolyn Parkinson, Adam M. Kleinbaum & Thalia Wheatley Nature Communications (2018)9:332 PubMed: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29382820/