Wie früh möchten Sie wissen,

ob Sie Alzheimer haben werden?

Alzheimer ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die im höheren Alter auftritt und mit Gedächtnisverlust und kognitiven Einschränkungen einhergeht. Mittlerweile weiss man: die zugrundeliegenden krankhaften Veränderungen im Gehirn beginnen oft schon viele Jahre vor den ersten Symptomen und der Alzheimer-Diagnose. Ein Bluttest soll nun vorhersagen, ob und wann eine Person zukünftig Alzheimer-Symptome entwickelt.

Viele kennen es – zunehmende Verwirrtheit der Grosseltern, ein immer schlechter werdender Zustand, bis schliesslich Hilfe im Alltag nötig ist. Tatsächlich entwickelt sich die Alzheimer-Erkrankung aber schon lange bevor sich diese ersten Symptome etablieren. Es beginnt mit der Ansammlung von krankhaften Strukturen im Gehirn, den sogenannten Amyloid- und TAU-Proteinen, welche sich schon früh im Krankheitsverlauf zeigen. Erst später treten dann klinische Anzeichen auf, die sich laufend verschlechtern und die Betroffenen zunehmend unterstützungsbedürftig machen. Im späten Stadium sind Alzheimer-Patient:innen stark beeinträchtigt und benötigen umfassende Pflege.

Eine Heilung gibt es für diese Krankheit nicht, wohl aber verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die das Fortschreiten verzögern. Auch präventive Therapien gegen Alzheimer sind sehr wertvoll, wenn man Personen mit erhöhtem Risiko identifizieren kann. Ein neu entwickelter Test kann nun basierend auf der Messung des TAU-Proteins (p-tau217) im Blut einen Beginn der Alzheimer-Krankheit innerhalb der nächsten 3-4 Jahre vorhersagen. Die Entwicklung dieses Bluttests fand im Rahmen des National Institutes of Health Biomarkers Consortiums statt und basierte auf Daten von 603 älteren Erwachsenen aus 2 langjährigen US-Amerikanischen Studien*, in denen die TAU-Konzentration im Blut mit unterschiedlichen Analysen festgestellt wurde.

Dieser neuartige Test soll vorerst vor allem in klinischen Studien angewendet werden, um (zukünftige) Alzheimer-Patient:innen zu identifizieren. Er nutzt die Annahme, dass die Ansammlung der TAU-Proteine mit dem Fortschreiten der Krankheit korreliert. Schon aus früheren Studien ist bekannt, dass die Amyloid- und TAU-Konzentration im Blut eng mit dem Aufbau der krankhaften Strukturen im Gehirn zusammenhängt. Der mathematische Algorithmus des Tests modelliert die Beziehung zwischen diesen Biomarkern und dem Zeitpunkt des Symptom-Beginns. Konkret schätzen die Forschenden also anhand der Konzentration des TAU-Proteins im Blut das Alter, in dem jemand Alzheimer-Symptome entwickeln könnte.

Die Messung des TAU-Proteins im Blut ist nicht neu. Aktuell verfügbare Tests helfen bereits Alzheimer bei Personen zu diagnostizieren, die kognitive Beeinträchtigungen zeigen. Nicht empfohlen sind die bisher verfügbaren Tests allerdings, wenn noch keine Symptome vorhanden sind. Hier kommt also die Besonderheit: mit der jetzt entwickelten Analyse können Patient:innen ohne Symptome schneller und gezielter für klinische Studien identifiziert werden. In einem nächsten Schritt könnte der neue Test auch verwendet werden, um bisher symptom-freie Betroffene zu identifizieren, die von präventiven therapeutischen Massnahmen profitieren könnten.

Auch eine Weiterentwicklung und Präzisierung des Tests durch Einbindung weiterer Biomarker ist denkbar. Dabei bleibt die Frage: wie früh will man von dem eigenen kognitiven Verfall wissen? Das hängt wohl stark mit der Verfügbarkeit von wirksamen Medikamenten zusammen – und die Entwicklung eben dieser kann der neue Test unterstützen.  

 

* WashU Medicine Knight Alzheimer Disease Research Center (Knight ADRC) und der Alzheimer's Disease Neuroimaging Initiative (ADNI)

Quelle:

Petersen, K.K., Milà-Alomà, M., Li, Y. et al. Predicting onset of symptomatic Alzheimerʼs disease with plasma p-tau217 clocks. Nat Med (2026). https://doi.org/10.1038/s41591-026-04206-y

Text: Dr. sc. nat. Katja Becker